Der Markt für digitale Sehtafel-Software ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Neben klassischen Hardware-Projektoren stehen heute zahlreiche App-Lösungen zur Verfügung – für iPad, Android-Tablets, Windows-PCs und mehr. Wer die richtige Wahl treffen will, sollte einige Kriterien vorab kennen.
1. Optotypen-Auswahl
Das wichtigste Kriterium für den Praxiseinsatz: Welche Sehzeichen sind enthalten?
Mindestanforderung für den deutschen Markt:
- Landolt-Ringe (DIN 58220 konform)
- Snellen-Buchstaben
- Zahlen
- Kinderzeichen / Bildoptotypen
Wünschenswert darüber hinaus:
- Sloan-Letters (international)
- E-Haken (für Patienten, die keine Buchstaben lesen)
- Amsler-Gitter
- Rot-Grün-Test, Schober-Test, Kreuzzylinder, Strahlenkranz
Achten Sie darauf, ob Spezialtests im Abo enthalten sind oder separat berechnet werden.
2. Fernbedienung
Beim Sehtest möchten Sie in der Nähe des Patienten bleiben – nicht ständig zur Tafel gehen. Prüfen Sie:
- Gibt es eine Fernbedienungs-App für das Smartphone?
- Wie wird verbunden? (Bluetooth, WLAN, manuelle IP-Eingabe?)
- Funktioniert die Fernbedienung auch ohne Internetverbindung (wichtig beim Hausbesuch)?
- Ist die Fernbedienung im Preis enthalten, oder ein kostenpflichtiges Add-on?
Eine kabellose Fernbedienung ohne manuelle Konfiguration – idealerweise mit automatischer Geräteerkennung – ist im Praxisalltag ein erheblicher Komfortgewinn.
3. Mobilität
Für stationäre Praxen mit fester Refraktionskabine mag ein Windows-Programm oder ein wandmontierter Monitor ausreichen. Wer aber Hausbesuche macht, mehrere Standorte betreibt oder einfach flexibel sein will, braucht eine Lösung, die überall mitkommt.
Fragen Sie sich:
- Kann ich die Software auf dem Gerät nutzen, das ich sowieso dabei habe (iPad, Tablet)?
- Wie viel Aufwand ist der Transport und die Einrichtung vor Ort?
- Funktioniert die Lösung auch in einem fremden WLAN oder mit Hotspot?
4. Kosten und Lizenzmodell
Die Preismodelle variieren stark:
| Modell | Typische Kosten | Risiko |
|---|---|---|
| Einmaflizenz (Desktop) | 500–1.500 € | Keine Updates, gebunden an Hardware |
| Abo (monatlich) | 7–45 €/Monat | Niedrige Einstiegshürde, kündbar |
| Hardware-Projektor | 3.000–10.000 € | Hohe Investition, Wartungskosten |
Achten Sie bei Abo-Modellen auf: Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist, ob Updates inklusive sind, und ob eine kostenlose Testphase angeboten wird.
5. Plattform und Gerät
- iPad/iPhone: Große Auswahl an professionellen Apps, gute Displayqualität, bekannte Bedienung
- Android: Gerätelandschaft heterogen – Displaykalibrierung kann variieren
- Windows/Mac: Gut für stationären Einsatz, nicht mobil
- Apple TV: Ideal für die stationäre Praxis mit großem Monitor oder Fernseher
Überlegen Sie, welche Geräte Sie bereits besitzen und welche Plattform langfristig zu Ihrem Betrieb passt.
6. Datenschutz und Datenspeicherung
Speichert die App Patientendaten? Falls ja: Wo, und ist das DSGVO-konform? Viele Sehzeichenprogramme speichern keine Patientendaten – sie sind reine Anzeige-Tools. Das ist datenschutzrechtlich die einfachste Variante und für den reinen Sehtest völlig ausreichend.
7. Support und Weiterentwicklung
Software, die seit Jahren keine Updates erhalten hat, ist ein Risiko. Achten Sie auf:
- Regelmäßige Updates (neue Features, iOS-Kompatibilität)
- Erreichbarer Support
- Herkunft und Spezialisierung des Anbieters (Optik-Branche vs. Allgemeinsoftware)
Fazit: Checkliste für die Entscheidung
- Alle benötigten Optotypen vorhanden (inkl. Landolt, Kinder, Spezialtests)?
- Kabellose Fernbedienung inklusive und einfach einzurichten?
- Mobil nutzbar (Hausbesuch, Filiale)?
- Kostenlose Testphase verfügbar?
- Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten?
- Updates und neue Tests im Preis enthalten?
- DSGVO-konform, keine ungewollte Datenspeicherung?
Wenn Sie diese Punkte abhaken können, sind Sie auf der sicheren Seite – egal für welche Software Sie sich entscheiden.