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Snellen-Test & Snellen-Tafel: Visus ablesen

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Was ist der Snellen-Test?

Der Snellen-Test ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Sehtest zur Bestimmung der Sehschärfe (Visus). Entwickelt wurde er 1862 vom niederländischen Augenarzt Hermann Snellen – und ist bis heute das Standardverfahren in Augenarztpraxen und Augenoptik-Betrieben weltweit.

Grundlage des Tests ist eine Sehtafel mit Buchstaben in abgestuften Größen. Jede Zeile entspricht einem bestimmten Visus-Wert: Je weiter unten der Patient lesen kann, desto besser ist seine Sehschärfe.


Die Snellen-Tafel: Aufbau und Visus-Zeilen

Die Snellen-Tafel (auch Snellen-Sehtafel genannt) ist nach einem festen Prinzip aufgebaut. Ganz oben steht ein einzelner großer Buchstabe – beim klassischen Aufbau ein großes „E”. Nach unten folgen zeilenweise immer mehr und immer kleinere Buchstaben.

Schematische Snellen-Tafel mit sechs Zeilen: oben ein einzelnes großes E bei Visus 0,10, nach unten immer kleinere Buchstabengruppen bis Visus 1,00. Links steht der Dezimalvisus, rechts der logMAR-Wert, der in gleichmäßigen Schritten von 0,2 fällt.
Schematischer Aufbau einer Snellen-Tafel. Die Buchstabenhöhe ist umgekehrt proportional zum Visus – die 0,10-Zeile ist genau zehnmal so hoch wie die 1,0-Zeile. Gut zu erkennen ist außerdem, warum in Studien mit logMAR gearbeitet wird: logMAR fällt in gleichmäßigen Schritten von 0,2, während der Dezimalvisus daneben ungleichmäßig springt (0,10 → 0,16 → 0,25 → 0,40 → 0,63 → 1,00). Die Zeichen sind hier zur Veranschaulichung in einer Serifenschrift gesetzt und folgen nicht dem unten beschriebenen 5×5-Raster – für eine echte Messung ist genau das entscheidend.

Jede Zeile ist exakt einem Visus-Wert zugeordnet und mit der Entfernung beschriftet, aus der eine normalsichtige Person diese Zeile gerade noch lesen kann:

Zeile (von oben)DezimalvisusLesbar aus …
1 (großes „E”)0,150 m
20,225 m
40,412,5 m
60,68,3 m
8 (Normwert)1,05 m
112,02,5 m

Snellen verwendete für seine Tafel keine beliebigen Buchstaben, sondern ein abgestimmtes Set besonders gut unterscheidbarer Großbuchstaben. Entscheidend ist das Konstruktionsprinzip: Jeder Buchstabe passt in ein 5×5-Raster, und seine Strichstärke beträgt genau ein Fünftel der Buchstabenhöhe. Dadurch ist jede Zeile eindeutig einem Sehwinkel zugeordnet.

Für eine korrekte Messung muss die Snellen-Tafel auf den Testabstand kalibriert sein – eine auf 6 Meter ausgelegte Tafel liefert auf 5 Meter falsche Werte. Genau hier liegt der Vorteil einer digitalen Tafel: Sie skaliert die Buchstabengröße automatisch zur eingestellten Entfernung (siehe unten).


Wie funktioniert der Snellen-Test?

Vorbereitung und Testabstand

Der Test wird in einem ausreichend beleuchteten Raum durchgeführt. Der Standardabstand beträgt in Deutschland und dem deutschsprachigen Raum 5 Meter (in anderen Ländern teils 6 Meter oder 20 Fuß). Die Sehtafel muss auf Augenhöhe des Patienten hängen.

Getestet wird jedes Auge einzeln – das nicht getestete Auge wird abgedeckt, ohne Druck auf den Augapfel auszuüben.

Ablauf

Der Patient liest die Buchstaben zeilenweise von oben nach unten. Die Buchstaben werden kleiner, je weiter unten die Zeile liegt. Sobald der Patient eine Zeile nicht mehr vollständig lesen kann, ist die letzte vollständig erkannte Zeile maßgebend.

Bei Unsicherheiten (Raten oder Verwechslungen) gelten folgende Faustregeln:

  • Bis zu 2 Fehler pro Zeile gelten in der Praxis meist noch als diese Zeile erkannt
  • Mehr Fehler: die Zeile darüber ist der gültige Wert

Wie liest man den Visus?

Dezimalvisus – der deutsche Standard

Im deutschsprachigen Raum wird die Sehschärfe als Dezimalvisus angegeben. Ein Visus von 1,0 entspricht normaler Sehschärfe – der Patient erkennt aus 5 Metern, was eine normalsichtige Person aus 5 Metern erkennen sollte.

VisusBedeutung
2,0Überdurchschnittlich scharf (häufig bei Kindern)
1,0Normalsichtig
0,5Halbierte Sehschärfe
0,1Stark eingeschränkt – nur oberste Zeile lesbar

Verhältnis zu anderen Notationen

Je nach Land und Kontext gibt es unterschiedliche Schreibweisen für denselben Wert:

Dezimalvisus (DE)Bruchnotation (USA)BritischLogMAR
1,020/206/60,0
0,520/406/120,3
0,2520/806/240,6
0,120/2006/601,0

LogMAR wird vor allem in wissenschaftlichen Studien und bei der ETDRS-Tafel verwendet. In der klinischen Praxis in Deutschland ist der Dezimalvisus der Standard.

→ Zwischenwerte umrechnen: der kostenlose logMAR-Rechner wandelt Dezimalvisus, logMAR und Snellen-Bruch in beide Richtungen um – ohne Anmeldung, direkt im Browser.


Snellen-Buchstaben und andere Optotypen

Der klassische Snellen-Test verwendet lateinische Großbuchstaben. Da nicht alle Buchstaben gleich schwer zu erkennen sind, haben sich im Laufe der Zeit weitere Optotypen-Systeme entwickelt:

Landolt-Ring (Landolt C) Der Landolt-Ring gilt nach DIN 58220 und EN ISO 8596 als der präziseste Sehtest, da er kulturell neutral ist und keine Buchstabenkenntnisse voraussetzt. Der Patient gibt an, wo die Öffnung des Rings liegt (oben, unten, links, rechts oder diagonal).

Sloan-Letters Ein standardisiertes Buchstabenset aus 10 Buchstaben mit ähnlichem Erkennungsschwierigkeitsgrad. Häufig bei der ETDRS-Tafel eingesetzt.

Snellen-Haken / E-Haken (Tumbling E) Besonders geeignet für Patienten, die keine Buchstaben kennen (Kinder, Analphabeten): Ein „E” wird in vier Richtungen gedreht, der Patient zeigt mit den Fingern die Richtung der Zacken.

Kinderzeichen / Bildoptotypen Für die Untersuchung von Kleinkindern: einfache Symbole wie Haus, Kreis, Quadrat.

Konstruktionsprinzip von Sehzeichen: links ein E-Haken, rechts ein Landolt-Ring, beide über einem Raster aus fünf mal fünf Einheiten. Die Balken und Lücken des E sowie Ringdicke und Öffnung des Landolt-Rings sind je eine Einheit breit, das ganze Zeichen ist fünf Einheiten hoch.
So sind E-Haken und Landolt-Ring aufgebaut. Beide bestehen aus Strichen und Lücken von je einer Rastereinheit, das ganze Zeichen ist fünf Einheiten hoch. Genau deshalb lassen sich diese Zeichen exakt konstruieren, während Buchstaben einen Schriftentwurf brauchen – und genau deshalb gilt der Landolt-Ring nach DIN 58220 als Referenz.

Der Snellen-Haken im Detail

Der Snellen-Haken – im Englischen Tumbling E – ist eine der ältesten Antworten auf ein praktisches Problem: Wie testet man die Sehschärfe von Menschen, die das lateinische Alphabet nicht lesen können? Statt unterschiedlicher Buchstaben zeigt die Tafel nur das Zeichen „E” in vier möglichen Drehungen (Öffnung nach oben, unten, links oder rechts).

Der Patient muss keinen Buchstaben benennen, sondern nur die Richtung der drei Zacken angeben – mit Worten oder per Handzeichen. Das macht den Snellen-Haken ideal für:

  • Kinder, die noch nicht lesen können
  • Patienten mit anderem Alphabet oder Sprachbarriere
  • Screenings, bei denen es schnell gehen muss

Wie beim Landolt-Ring liegt die Sehschärfe damit unabhängig von Buchstabenkenntnissen vor.

Aufbau: drei Balken, zwei Lücken

Der E-Haken ist – anders als ein Buchstabe – exakt konstruiert, wie die Abbildung oben zeigt: drei Balken und zwei Lücken, alle genau eine Rastereinheit breit, das ganze Zeichen fünf Einheiten hoch. Wer die Öffnungsrichtung erkennt, hat die Lücke von einer Bogenminute aufgelöst. Genau diese Lücke ist die gemessene Größe – nicht das Zeichen als Ganzes.

Warum der Landolt-Ring trotzdem die Referenz ist

Der Snellen-Haken hat einen systematischen Nachteil: Er kennt in der Regel nur vier Antwortmöglichkeiten. Wer rät, liegt damit in einem von vier Fällen richtig – eine Trefferquote von 25 %. Der Landolt-Ring mit acht Öffnungsrichtungen kommt auf 12,5 %.

Das ist der Grund, warum DIN 58220 den Landolt-Ring als Referenzzeichen führt: Je mehr unterscheidbare Antworten ein Optotyp bietet, desto weniger verfälscht Raten das Ergebnis. In der Praxis fängt man das beim E-Haken auf, indem man pro Visusstufe mehrere Zeichen zeigt und erst weitergeht, wenn die Mehrzahl richtig erkannt wurde – ein einzelner Treffer sagt bei 25 % Ratewahrscheinlichkeit wenig aus.

Worauf es in der Praxis ankommt

  • Handzeichen statt Worten. Kinder zeigen die Richtung der Zacken mit vier gespreizten Fingern – das umgeht die Frage, ob „oben” und „unten” schon sicher benannt werden können.
  • Links und rechts sind die Stolperfalle. Verwechslungen zwischen links und rechts sind bei Kindern häufig und kein Sehproblem. Wer nur diese beiden Richtungen vertauscht, sonst aber sicher antwortet, sollte nicht abgewertet werden.
  • Zufällig mischen. Feste Reihenfolgen werden beim zweiten Durchgang auswendig gelernt. Die Zeichen müssen bei jeder Prüfung neu gemischt werden.

In UbiVision ist der Snellen-Haken als eigener Optotyp hinterlegt und lässt sich – wie alle anderen Sehzeichen – per iPhone in einer Sekunde aktivieren; die Mischfunktion wechselt die Richtungen zufällig.


Snellen digital: Warum eine iPad-Sehtafel?

Klassische Sehtafeln – ob Papier oder Rückprojektionsprojektor – haben praktische Nachteile:

  • Ortsgebunden: Die Tafel hängt fest, der Patient steht immer an derselben Stelle
  • Umrüstaufwand: Wechsel zwischen Optotypen oder Testentfernungen erfordert Handgriffe
  • Hausbesuche: Eine Papier-Sehtafel lässt sich mitnehmen, aber nicht flexibel steuern
  • Hygiene: Der Augenoptiker muss ans iPad – zum Patient oder zur Tafel

Eine digitale Sehzeichentafel auf dem iPad löst alle diese Probleme. Buchstabengröße und Testentfernung werden in Echtzeit angepasst, der Wechsel zwischen Optotypen dauert eine Sekunde.


UbiVision: Der Snellen-Test auf dem iPad

UbiVision ist eine professionelle Sehzeichentafel-App für iPad – mit allen gängigen Optotypen, darunter Snellen, Landolt-Ringe, Sloan-Letters, E-Haken, Zahlen und Kinderzeichen.

iPhone als Fernbedienung

Das Alleinstellungsmerkmal von UbiVision: Das iPhone verbindet sich automatisch mit dem iPad im lokalen Netzwerk (Bonjour, Zero-Config) und übernimmt die vollständige Steuerung:

  • Visusstufe erhöhen oder verringern
  • Sehzeichen neu mischen
  • Zwischen Optotypen wechseln
  • Ein- oder zweizeilige Darstellung

Der Augenoptiker bleibt beim Patienten – das iPad steht am Ende des Raums und muss nicht angefasst werden.

Technische Details

  • Testentfernungen 2,0 bis 6,0 m, stufenlos einstellbar
  • Visusstufen 0,05 bis 2,0
  • Spezialtests: Amsler-Gitter, Rot-Grün-Test, Schober-Test, Kreuzzylinder, Strahlenkranz, Nahtest
  • Funktioniert auch beim Hausbesuch – ein iPhone-Hotspot reicht, keine Internetverbindung nötig

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Häufige Fragen zum Snellen-Test

Was bedeutet Visus 0,8 beim Snellen-Test? Ein Visus von 0,8 bedeutet, dass der Patient 80 % der normalen Sehschärfe erreicht. Er kann aus 5 Metern lesen, was eine normalsichtige Person aus 4 Metern liest. In vielen Ländern gilt das als noch ausreichend für einen Führerschein.

Was ist der Unterschied zwischen Snellen und Landolt? Beide messen die Sehschärfe. Der Landolt-Ring gilt als kulturell neutraler und präziser, da er keine Buchstabenkenntnisse voraussetzt. Nach DIN 58220 ist der Landolt-Ring das Referenzverfahren. In der deutschen Augenoptik werden beide verwendet.

Was ist der Snellen-Haken? Der Snellen-Haken ist die deutsche Bezeichnung für den E-Haken (englisch Tumbling E): ein Buchstabe „E”, der in vier Richtungen gedreht wird. Der Patient zeigt mit den Fingern, in welche Richtung die drei Zacken weisen. Er eignet sich für Patienten, die keine Buchstaben kennen – etwa Kinder oder Menschen mit anderem Alphabet.

Ab welchem Visus braucht man eine Brille? Das hängt vom Einzelfall und Beruf ab. Als grober Richtwert: Visus unter 0,8 auf dem besseren Auge führt beim Führerschein zu einer Auflagenprüfung. Für den Alltag entscheidet der behandelnde Optiker oder Augenarzt.

Wie genau ist der Snellen-Test? Der Snellen-Test liefert eine gute Orientierung, ist aber weniger präzise als der Landolt-Ring-Test oder ETDRS-Tafeln. Er reagiert empfindlich auf Beleuchtung, Testabstand und das Mitratephänomen. Für wissenschaftliche oder medizinisch-gutachterliche Zwecke wird der LogMAR-Wert nach ETDRS bevorzugt.

Kann man den Snellen-Test digital durchführen? Ja – mit einer kalibrierten App und bekanntem Testabstand liefert eine digitale Sehtafel vergleichbare Ergebnisse wie eine physische Tafel. Wichtig ist die korrekte Einstellung der Buchstabengröße in Abhängigkeit von Bildschirmgröße und Testentfernung. UbiVision berechnet das automatisch.

Wie oft sollte man einen Sehtest machen? Für Erwachsene ohne Beschwerden empfiehlt sich alle 2 Jahre ein Sehtest. Bei bekannter Kurzsichtigkeit, Diabetes oder familiärer Vorbelastung häufiger – nach Absprache mit dem Augenarzt oder Optiker.


Für Augenoptiker: Wenn Sie die Snellen-Tafel selbst digital einsetzen möchten, hilft der Überblick Optiker-Software vergleichen – die acht Kriterien bei der Auswahl: Kostenmodell, Hardware, Bedienung am Patienten und vor allem die korrekte Größenkalibrierung der Optotypen.

Und wer Visus-Werte zwischen den Systemen umrechnen muss – Dezimalvisus, logMAR oder Snellen-Bruch – findet dafür den kostenlosen Visus- und logMAR-Rechner.